Way of Darkness 2008

(Bericht: Twilightheart)

Das „Way of Darkness“-Festival fand vom 2. bis 4. Oktober in Coburg statt. Es war bereits vorher für 2 andere Orte geplant gewesen (Bamberg, Würzburg), aber letztendlich blieb es dann bei Coburg. 
Das Ganze fand in einem riesigen Zelt statt. Auf den Flyern hieß es, dieses Zelt werde beheizt sein. Zum Glück war es bereits tristes Herbstwetter, so dass mit Sicherheit jeder eine warme Jacke dabei hatte, denn die brauchte man dann auch. Die Heizung des Zeltes stellte sich als 3 oder 4 Röhren aus flexiblem Spezialmaterial heraus, durch welche warme Luft in einige Ecken der Halle gepumpt wurde. Dies reichte aber nicht annähernd aus, um wirklich Wärme in das riesen Zelt zu bringen. Insofern (falls es nächstes Jahr wieder genau dort stattfinden sollte) sollte man schon mal vormerken, dass man unbedingt die Metal-Winterkutte dabeihaben sollte! ;-)
Auch auf dem kleinen Campingplatz, der gleich gegenüber war, haben einige Besucher nachts tierisch gefroren, wie man mir erzählte. Außerdem waren dort Massen von Schlamm und einige Beinahe-Schlägereien Programm, so dass ich froh war, dass unsereins woanders untergekommen war.

Den Festival-Donnerstag mussten wir leider ausfallen lassen, und so kamen wir am Freitag ca. gegen 14 Uhr am Zelt an und hatten zu diesem Zeitpunkt wohl schon die ersten beiden Bands verpasst, die rein theoretisch „Cronos Titan“ und „Hatred“ gewesen sein müssten.

Gegen 14:15 Uhr stand eine Band aus Irland auf der Bühne, die mein persönlicher Opener war... nein, nicht Primordial, sondern deren Freunde von „Mael Mórdha“ aus Dublin. In dieser Band spielt ein Mitglied von Primordial mit (und ein weiteres fungiert manchmal als Aushilfe bei Primordial), aber ansonsten ist die Band (zum Glück) keine Kopie ihrer Landsmänner. Zwar ist die Musik (die auf Englisch gesungen wird) von den Lyrics her an die selben Themen angelehnt wie bei Primordial (irische Geschichte und irischer Glaube usw.), aber die Musik ist eher leicht verdaulich. Die episch-hymnischen Melodien gehen gleich in’s Ohr und der Gesang ist nicht wirklich gegrowlt (wenn auch an manchen Stellen etwas intensiver und kratziger gesungen), so dass es vielen Neu-Pagan-Fans bestimmt gefallen könnte, falls die Band bekannter wird. Die Band, die den Gig übrigens mit dem Blasen auf einem Horn begann, zog durch das irische Warpaint im Gesicht Aufmerksamkeit auf sich, sowie durch das stilechte Outfit des Sängers. Die Musik von Mael Mórdha, die etliche irische Folkeinflüsse enthält, wurde mitunter auch durch ein paar kurze Einlagen auf der Tin-Whistle aufgepeppt.
Vokalist Dave Murphy suchte die ganze Show über den Kontakt zum Publikum. Dieses war nämlich noch etwas schläfrig (oder wahlweise mit frieren beschäftigt, denn noch waren in dem Zelt, was mehr als 1500 Leute fassen müsste, erst so an die 350 Leute/ der „Kuschelfaktor“ durch Gedränge fiel also weg), die meisten schauten eh noch das Merch an... der Band sahen hier jedenfalls noch nicht allzu viele zu). Irgendwann sprang Dave kurzerhand in den Fotograben und schüttelte mal jedem einzelnen Besucher in der ersten Reihe die Hand, und siehe da, ab da war die Stimmung tatsächlich besser, so dass doch noch einige Fäuste hochgerissen wurden, oder zumindest im Takt mit dem Kopf genickt wurde.

Amagortis hatten ihre Stage-Zeit von 15 bis 15:30 Uhr und ich war gespannt, ob die Schweizer die Bude rocken würden. „Tanzt was!“ war die erste Aufforderung, die der sehr jung wirkende Sänger der Band dem Publikum entgegenschleuderte. Das hat in der Schweiz vielleicht einen Effekt... aber ich glaube, in Süddeutschland interessiert es die Metaller herzlich wenig, wenn eine eher unbekanntere Band so was ruft. Später versuchte er es in Niklas-Kvarforth-Manier mit „We will fuck you up“ und dann wurde erst’mal ein Bierbecher umgeworfen. Und weiter ging’s mit dem Death-Geschredder der Band, und da der 6-saitige Bass auch wirklich richtig in die Glieder fuhr, bildete sich tatsächlich ein kleiner Moshpit... genügend Platz war ja.

Lay down rotten konnten den kleinen Moshpit dann vergrößern. Man merkte, dass sie bei den Anwesenden die Laune oben halten konnten, was vielleicht auch daran lag, dass sie wie das blühende Leben auf der Bühne rumtobten und nicht wussten, wohin mit all ihrer Spielfreude. Mit 2 Gitarren + Bass und zusätzlicher Vocal-Unterstützung des Gitarristen kreierte die Band einen richtig satten Sound und holte sogar einen Gast-Growler mit auf die Bühne. Die Band, aber vor allem deren Sänger, der ja sogar „Death Metal“ auf sein Bein tätowiert hat, sprangen gutgelaunt auf der Bühne rum.... und siehe da, der erste Crowdsurfer bahnte sich seinen Weg über die Köpfe. Zwar nicht sehr weit, denn noch war es immer noch relativ leer vor der Bühne, aber es spiegelte die Stimmung unter den Fans wieder. Man konnte sich also sicher sein, dass später bei den Headlinern ordentlich die Post abgehen würde. Die Jungs hatten genau wie alle vorherigen Bands nur 30 Minuten Spielzeit, die dann auch gerade’mal für 7 Songs reichte (Reconquering the pit, Murder instinct, Nihil, Carcass, Sound of breaking..., Pulling the trigger, All of this pain).

Nun wurden eigenartige Dinge auf die Bühne gebracht und man konnte schon leise erahnen, dass nun die Spassfraktion an der Reihe ist. Und ja, Manos sorgten so was von für Stimmung... es war die reine Freude, ihnen zuzusehen. Ich glaube, jeder Anwesende (egal, ob ihm/ihr die Band bekannt war oder nicht) stand mit breitem Dauergrinsen vor der Bühne. Dass sie in ihren Songs fast alle existierenden Metal-Genres auf’s Korn nehmen, erwartet man von solchen Bands ja direkt. Und das taten sie auch. Erstaunlich finde ich immer, dass solche Band in ihren Parodien oftmals viel brachialeren Death spielen als die Originale. Einfach Kult. Ein Song zum Beispiel wurde so schnell, dass es nicht möglich war, dazu zu growlen, bängen o.a. Auch optisch bot die Band einiges an Komik. Der Sänger kam in Arbeitskluft auf die Bühne (und seine Gitarre war mit Sicherheit die zerschlissenste der Welt). Der Bassist kam direkt mit einem „Gerüst“ am Körper bzw. an der Gitarre auf die Bühne (oben drauf war ein Krokodil aus Gummi) und widerlicher Kopfbedeckung, sowie keimiger Brille (beides schüttelte er später zum Glück ab, auch das Krokodil) und völlig versifften Klamotten. Nachdem sich die Band als „aus Querfurt“ vorgestellt hatte, forderten sie die Jungs im Publikum auf, die Freundin des Nachbarn oder Freundes zu nehmen und zu tanzen. Und alle machten sie mit.
Später wurde ein riesen Sack mit Luftballons in’s Publikum geworfen, wo der dann zerfetzt wurde. 
Aber das eigentliche Spektakel begann (sehr zum Schreck der Securitie), als man rief, es sollen doch 20 Freiwillige auf die Bühne kommen. Es sprangen natürlich gleich viel mehr als 20 über die Absperrung, so dass am Ende die Bühne wirklich voll war. Dann hüpften alle zur Death-Version von „Biene Maja“ auf der Bühne herum und hatten sichtlich Spaß. Nun wurde auch noch eine Rutsche enthüllt und so konnten die Jecken auf der Bühne rutschen. Einer der letzten Songs war dann „Wer hat an der Uhr gedreht“ (vom „Rosaroten Panther“) und danach verließen die Fans und Manos unter riesigem Jubel die Bühne. 

Die vorherigen Bands hatten alle nicht wirklich einen guten Sound (wobei das bei Spaßmusik wie von Manos nicht wirklich die Stimmung trüben kann), aber bei Dark Fortress schien der Sound gleich noch ein paar Stufen schlechter zu sein. Überhaupt war es eigenartig, eine Black-Metal-Band direkt nach einer solchen Stimmungskanone spielen zu lassen. Aber gut, somit wurde vor der Bühne Platz und die Black Metaller kamen nach vorne (und blieben dann auch gleich bis zum Endstille-Gig). Inzwischen waren doch schon an die 600 Leute im Zelt, denke ich. Viele aber immer noch in den Ecken oder am Merch. Insofern (und in Kombination mit dem miserablen Sound) war es nicht weiter verwunderlich, dass es nicht zu sonderlich großem Applaus kam während des Auftritts von Dark Fortress. Ich habe auch zum ersten Mal im Leben von V.Santura Töne gehört, die nicht korrekt gewesen sein können. Und das will was heißen. Aber versteht mich nicht falsch, rein, was die Qualität der Musik betrifft, so ist auch ein Dark-Fortress-Gig mit schlechtem Sound allemal noch besser als ein Gig von Möchtegern-Band XY mit spitzen Sound. Ich konnte dem Auftritt also trotzdem viel abgewinnen. Gespielt wurden: No Longer Human, Catawomb, When 1000 Crypts Awake, To Harvest the Artefacts of Mockery,
Cohorror & Baphomet.
Es war die letzte Show der Tour, insofern lauschte ich dem Ganzen etwas wehmütig. Naja, der nächste Gig kommt bestimmt.

Zeitgleich gaben Entombed im Vorzelt eine Autogrammstunde und ihr Sänger Lars-Göran Petrov war offensichtlich zum Scherzen aufgelegt:

Despondency schienen ihren eigenen Fanclub mitgebracht zu haben, denn es brach eine riesen Jubel los, als die Band die Bühne betrat und mit ihrem brutalen Death/ Grindcore loslegte. Ultra-tiefes Gegrunze von der Sorte „Wie halten die Stimmbänder das nur aus?“ und extrem präzises Riffing brachten die Fans zum moshen. Die Perfektion rann der Band aus allen Poren, sie brauchten das Publikum wirklich nicht zu animieren oder ähnliches, das war einfach ein Selbstläufer. Obwohl ich diese Stilrichtung sonst gar nicht mag, muss ich zugeben, dass das tiefe Growling selbst für mich einen gewissen Unterhaltungswert hatte.

Den Gig von „One man army... „ habe ich wegen der Autogrammstunde von Dark Fortress verpasst, habe lediglich schnell ein paar Fotos für euch gemacht (Fotos von den Bands findet ihr am Ende dieser Seite).

Doch pünktlich zum Gigbeginn von Endstille stand ich natürlich wieder hellwach und motiviert vor der Bühne. Leider schlug der „Schlechte-Sound“-Teufel diesmal auch beim bösen Iblis zu und er musste sich sogar ein neues Mikro während der Show holen. Auch sonst war der Sound einfach nur übel, man kann es nicht anders sagen. Man konnte die Songs gerade so erkennen (am Refrain zumeist). Einzig der Song „Endstilles Reich“ kam recht wuchtig rüber durch den akzentuierten Takt.
Da der Sound so mies war, konzentrierte ich mich auf das Visuelle der Show. Ich frage mich nur, warum Frontmann Iblis die Flasche Blut, die da rumstand, nicht dazu benutzt hat, damit mal ordentlich alle in der ersten Reihe vollzusauen. Stattdessen hat er sich nur selbst damit „dekoriert“ und schlussendlich kam ein Teil des Blutes in Form von schleimigen Blutbatzen wieder aus seinem Mund raus. Lecker!
Vor dem Intro zu „Frühlingserwachen“ bat Iblis via Zeigefingergeste um Ruhe, solange das Intro lief. Auch konnte man ihn bei allerlei Spektakeleien beobachten (sich das Mikrokabel um den Hals legen und zuziehen usw.) 
Gegen Ende des Gigs fragte Iblis, ob jemand das neue Album gekauft hat oder ob es alle nur runtergeladen haben, um dann den „Dieben“ den Stinkefinger zu zeigen. Ich hoffe mal, dass dies nur eine Spaßfrage war, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das neue Album schlecht verkauft hat. Im Gegenteil. Obwohl... na ja ... also gekauft hab ich’s auch nicht (runtergeladen aber auch nicht, ich kenne die Songs halt von den vielen Live-Gigs trotzdem). 
Ich frage mich, ob das Ersatzmikro, welches Iblis sich ja geholt hatte, überhaupt mal eingestellt wurde, denn obwohl er den ganzen Gig über kreischte wie eine Furie, kamen mir die Vocals absolut zu leise vor. Neben den bereits erwähnten Songs wurden weiterhin gespielt: Dominanz, The one I hate, Vorwärts!, I bless you... God, Among our glorious existence, und als Zugabe wenn ich mich richtig erinnere: Navigator.
Um es kurz zu machen: es war der schlechteste Gig, den ich bisher von Endstille gesehen habe (oder kam es mir nur so vor, weil ich kurze Zeit vorher auch den besten gesehen hatte, den Endstille je gespielt haben?). Ich vertröste mich jetzt einfach mal bis zum nächsten Mal.

Leider blieb das dann auch die letzte Black-Metal-Band des Festivals (okay, Desaster am nächsten Tag vielleicht noch... aber ansonsten fast nur Death-Bands). 
Aber mit Entombed ging es nun nach 21 Uhr auf den Höhepunkt des Abends zu. Eine Stunde lang ballerten die Meister ein Death-Geschoss nach dem anderen in die Menge. Bei einigen Tracks kamen vom Schlagzeug ein paar Salven, die wie Maschinengewehrfeuer klangen... man konnte den ein oder anderen Kerl im Publikum mit offenem Mund staunen sehen. 
Zwischen den Song macht Lars ein paar kurze Ansagen, aber seine Stimme klang so heiser, man fragt sich wirklich, wie er damit überhaupt noch singen kann. Das Publikum vereinfachte ihm seine kurzen Stimmungsreden, indem es jeweils sofort darauf einging, wenn er „Hey hey“-Rufe oder sonstiges hören wollte. Auch wurde bei jedem Track in den ersten Reihen lauthals mitgesungen. Sogar im inzwischen überfüllten Fotograben hörte man den ein oder anderen Fotografen mitträllern.
Ich bilde mir ein, beim Song „Sinners Bleed“ bängten alle in der Halle (die inzwischen übrigens mit mindestens 1000 Leuten ganz ordentlich gefüllt war) oder nickten zumindest mit dem Kopf im Takt, bis zum letzten Mann. Besonders von ganz hinten sah das klasse aus. 
(Was noch witzig war, aber viele sicher nicht gesehen haben, war, dass sich zeitgleich auf einem zweiten Schlagzeug neben der Bühne der Drummer von Napalm Death warmtrommelte und manchmal versuchte, mitzutrommeln, was er gerade von Entombed hörte.)

Napalm Death hatten mit einer Stunde und 20 Minuten die längste Spielzeit, konnten also aus dem vollen schöpfen und rasselten hintereinander folgende Tracks weg: Sink fast let go, Instinct of survival, Unchallenged hate, Suffer the children, Silence is deafening, Fatalist, Continuing war on stupidity, Necessary evil, It’s a mans world, From enslavement to obliteration, The code is red... long live the code, When all is said and done, Scum, Life, The kill, Deceiver, You suffer, Persona non grata, Smear campaign, und als Zugaben Unfit earth, Nazi punks fuck off, Siege of power.
Man muss sicher nicht erwähnen, dass Frontmann Barney wie eine angestochene Sau auf der Bühne umhersauste und wild gestikulierte. Mich persönlich spricht das ja gar nicht an, aber die eigens angereisten Fans scherten sich natürlich nicht um sowas, sondern sprangen mit „ihrer“ Band zusammen herum und ließen den Abend mit wilden Moshpits ausklingen. 

An beiden Festivaltagen vertrieb man sich die Zeit draußen übrigens mit eigenartigen Spielchen, die auch immer einige Zuschauer fanden, hier zum Beispiel ein „Sport“, bei dem die leeren Getränkebüchsen in bestimmten Mustern aufgebaut waren und dann von weitem versucht wurde, die Büchsen auf der anderen Seite zu treffen. Fragt mich nicht nach dem Sinn... ist ja auch egal... Hauptsache die Beteiligten hatten Spaß dabei!

Der Festivalsamstag wurde kurz vor 13 Uhr von den Hannoveranern „Cripper“ mit dem Song „Shortcut“ eröffnet. Erstaunlicherweise war es für diese Tageszeit enorm voll vor der Bühne. Nun ja, es war vielleicht auch der Anziehungskraft von Frontfrau Britta auf das männliche Geschlecht zu verdanken, dass doch so viele da waren. Und das nicht nur wegen des Aussehens, sondern mit Sicherheit auch, weil sie röhren kann wie Angela Gossow (okay, nicht ganz so tief, aber auch so intensiv). Cripper brachten jedenfalls erst’mal Stimmung in die Bude mit ihrem leidenschaftlichen Thrash. Songs wie „Attention deficit“, „Slowly beaten hate machine“ oder „Fire walk with me“ brachten etliche Anwesende zum headbangen. Britta sprang öfters mal zum Publikum runter und ließ sich letztendlich bäuchlings über deren Köpfe tragen. Dabei hatte sie beinahe Probleme, wieder nach vorne zurückzukommen, die starken Herren ließen sie fast nicht mehr runter.
Der Sound war gut, wobei sich die ersten nahenden Pannen wohl aber erahnen ließen, denn zumindest das Mikro des Gitarristen, der bei einigen Tracks stimmliche Unterstützung geben wollte, ging nicht. 
Die Band ließ sich die Stimmung davon natürlich nicht vermiesen und bekam nach dem letzten Song „Black Terra“ ordentlichen Applaus.

Die Münchner Deather von Commander hatten sich an diesem Tag viel vorgenommen. Hier am frühen Nachmittag beim WOD, dann zurück nach München, um abends beim Helion-Festival zu spielen (schade übrigens, dass beide Festivals zeitgleich stattfanden, ansonsten hätte ich mir das Helion-Festival auch gerne angesehen). 
Mit sehr viel Elan kamen die Jungs auf die Bühne und holzten erst’mal ordentlich los. The enemies we create, Salvation for a dead world und Vengeful Angel bildeten den Anfang. Danach „begrüßte“ Frontmann Nick die Anwesenden mit den Worten: „Ich hoffe, euer Kater macht euch nicht so zu schaffen wie mir meiner“. Außerdem bedanke er sich beim Festivalveranstalter, der da gerade vom Bühnenrand aus zusah, und widmete ihm einen Song. Ach ja, und dass er am liebsten mit ihm bis Sonntag früh durchgesoffen hätte, hat Nick auch noch erwähnt, um dann „besorgt“ das Publikum zu fragen, ob auch jeder ein Bier hat. Weiter ging es mit „Cowards“, „My worst enemy“ und „Ira“. Der Sound war leider inzwischen wieder schlechter. Der Schlagzeuger schien Probleme zu haben, und auch hörte man den Bass rechts vor der Bühne nicht. Nun ja, die ca. 30 Die-hard-Fans in der ersten Reihe machten trotzdem Stimmung, während alle anderen das Treiben mit sicherem Abstand zur Bühne beobachteten. 
Zum Abschluss gab es noch die Songs „Dead but alive“ und „Modern slavery“ und schon war die halbe Stunde Stagetime von Commander auch schon wieder um.

Die Berliner Thrasher von Karras zogen einige Aufmerksamkeit auf sich, denn hier scheint sich ein Mann mal seinen Traum erfüllt zu haben und hat eine Band mit 3 Frauen am laufen. Schlagzeugerin, Gitarristin und Bassistin (die etliche Kommentare aus dem Publikum für ihr scharfes Aussehen ernteten) und dazu Gekrächze vom Frontmann. Auf dessen Shirt stand dann auch, was Sache ist: Ghetto Metal. Aha. Nicht schön, aber selten. Hoffentlich macht das nicht Schule! 
Als mal wieder etliche Kerle aus dem Publikum so was zu den Damen riefen wie „geil“, „saftig“ oder „ausziehen“, griff der Sänger dies auf und rief: „Hier zieht sich niemand aus! Außer ihr natürlich, ihr seid herzlich eingeladen. Also, Hose runter“, woraufhin dann auch gleich ein Song über „Kleine Kinder und böse Männer“ folgte. 
Als Abwechslung zu den anderen Bands waren Karras eine nette Idee, aber ich war dann doch froh, als später wieder die echten Death-Geschosse auf der Bühne standen.

Es folgte Old-School-Thrash aus Fulda. Witchburner kamen mit eigenem Backdrop und eröffneten den Gig mit “Sign of evil” und “Bloody countess”. Jeder Ton saß perfekt und mit viel Routine spielten sich die betagten Herren auch in die Herzen der jüngeren Besucher, die die Band vielleicht nicht kannten. Blasphemic Assault, Demonic warmachine, Invisible violence, Hexenhammer, Final detonation, Blood of witches, Possessed by hellfire und Witchburner standen auf dem Programm und die 2 Gitarristen sorgten für einige abgefahrene Riffs und Soli. 
Leider hatte ich bereits zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass das Festival zu Thrash-und Death-lastig ist, besonders dieser Samstag. Aber gut, mit Spielzeiten von nur einer halben Stunde verging die Zeit ja zum Glück wie im Flug.

Warhammer waren das visuelle „Highlight“ des Abends. Solche 80er-Jahre-Spandex-Hosen (enganliegend und rot gestreift) wie bei deren Gitarristen habe ich seit über 20 Jahren auf keiner Bühne mehr gesehen. Und daneben gleich der Bandkollege am Bass mit kompletter BM-Montour (inklusive Sonnenbrille). Aber die Hauptsache ist ja, dass die Band und ihre Fans ihren Spass dabei hatten. Gespielt wurde eine Mischung aus Death und Thrash (was auch sonst?), aber mir persönlich gab die Musik leider gar nichts.

Bei Sinister war es da schon besser, plötzlich füllte sich das Zelt auch wieder mehr. Leider ließ die Band die Fans warten und überzog den Soundcheck zeitlich enorm, was natürlich später zu Verzögerungen bei den anderen Bands führte. Als die Niederländer dann endlich ihren Gig begannen, war der Sound dafür recht gut. Voller Emotionen grunzte sich der Frontmann durch seine Songs und bedankte sich immer wieder bei den Fans für den Applaus und die gute Stimmung. Unter anderem wurden gesungen: Afterburner, Enslave the weak und ein neuer Song mit dem Titel Fortified bravery.

Dark Age sorgten stilmäßig ab kurz vor 6 für etwas Abwechslung mit ihrem sehr melodischen, manchmal fast powermetalhaftem bzw. hymnischen Death mit vielen Keyboardmelodien im Hintergrund. Sänger Eike, der gleichzeitig Gitarre spielte, suchte extrem oft den Kontakt zum Publikum. Als ein Fan vehement nach einem bestimmten Song rief („Terror to the masses“), erkannte Eike ihn direkt und begrüßte ihn mit „Ah, ein alter Bekannter!“. Aber er erwähnte auch gleichzeitig, dass der Song nicht mehr im Programm ist.
Ansonsten gingen die Songs gut in’s Ohr; dass nicht alles gegrowlt war, sondern einige Stellen auch klaren Gesang boten, war natürlich Balsam für die Hör-Nerven. Auch viele eingängige Gitarrenmelodien konnten begeistern. Hierzu rieb der 2. Gitarrist manchmal sogar seine Gitarre am Rücken des Sängers, um abgefahrene Töne zu erzeugen, womit er seine eh schon virtuosen Soli noch aufpeppte.
Eike forderte die Fans auf, die Haare aufzumachen, um zu bängen. Er bemerkte allerdings auch, dass die meisten Fans ziemlich abgekämpft waren, weil sie 3 harte Tage hinter sich haben, bevor er „Black september“ anstimmte.
Später fragte er, wer eigentlich das Album „The silent republic“ besitzt. Danach wurde „Daily combat“ von eben diesem angekündigt und Eike rief: „Das eignet sich gut, um mal die Hüften zu schwingen. Also, nicht so faul!“ Als er dann bemerkte, dass die Band nur noch 5 Minuten Spielzeit hat, rief er noch „Scheiße! Wir kommen wieder!“ und verabschiedete die Fans vor dem nun folgenden Schlusssong mit „Durchdrehen angesagt!“.

Die nun folgenden Evocation sorgten für eine satte Ladung Schweden-Death. Vokalist Tjompe meinte gleich zu Beginn des Gigs, dass er uns allen zeigen werde, wo der Hammer hängt. Na ja, gut, ausnahmsweise muss ich zugeben, dass die Band das dann auch geschafft hat. Sie haben die Massen ordentlich zum Matte schwingen gebracht. Sie bekamen nach jeden Song Applaus, als wären sie die heimlichen Headliner. Zumindest waren zwei Fans im Publikum, die ihrer Band extra aus Schweden nachgereist waren. Ich gehe also davon aus, dass Evocation in ihrer Heimat Schweden gleich noch’mal beliebter sind als in Deutschland. Die beiden Fans wurden dann auch von der Bühne aus begrüßt. 
Ich persönlich war zu diesem Zeitpunkt etwas besorgt, denn backstage war weit und breit noch nichts von Primordial zu sehen. Ich befürchtete schon, dass mein Haupt-Durchhaltegrund dieses Tages gar nicht spielen würde.

Doch zuerst spielten die Old-Schooler von Desaster auf. Plötzlich war es vor der Bühne wieder brechend voll ... ein Gedränge wie beim Maiden-Gig! Die Koblenzer ließen ganz schön die Sau raus und hatten wirklich alle Sympathien auf ihrer Seite. Selbst als Fronter Sataniac den nächsten Song mit „Liebe Emanzen...“ ankündigte, kreischten immer noch alle Mädels im Publikum mit. Etliche Fans wurden direkt begrüßt, es kam mir so vor, als kenne die Band fast jeden in den ersten Reihen persönlich. Das nenne ich mal Fannähe! Auch gab es jetzt plötzlich wieder Crowdsurfer in Massen, viele „Hey hey“-Sprechchöre und endlos fliegendes Haar. Und Mega-Posing natürlich. Der Bassist schien Rekorde im Zunge-rausstrecken-Posing brechen zu wollen, so oft wie er am Bühnenrand rumgurkte und dies kamerawirksam tat. Nach Songs wie „Past... present... forever“ oder natürlich „Metalized Blood“ sprang Sataniac in den Fotograben und ging auf direkte Tuchfühlung mit seiner wilden Fanhorde. Natürlich durften die dann auch in’s Mikro singen. Alles in allem war es ein klasse Gig mit unglaublicher Stimmung. Alle Daumen hoch.

Primordial waren inzwischen angekommen und das Zelt war nun voll bis hinten (weit über 1000 Leute). Alan kam ganz in schwarz (ungewohnterweise mit gebügeltem Hemd) auf die Bühne und legte sofort mit „Empire falls“ los. Theatralisch wie immer bot er ein solch unglaubliches Spektakel auf der Bühne, dass man einfach nur staunend zuschauen konnte. Leider gab es auch hier weitreichende Probleme mit dem Sound. Mick Flynn schüttelte ständig den Kopf beim Versuch, die wirklich korrekten Töne aus den Saiten zu zaubern. Durch den hohen Verzerrungseffekt klang es dann trotzdem irgendwie annehmbar, aber man merkte trotzdem, dass die Band nicht glücklich war damit.
„Gallows end“ folgte und vor „As Rome burns“ hielt Alan eine kurze Rede, dass wir alle von den Römern unterdrückt wurden, was unseren ursprünglichen Glauben betrifft, und dass wir alle unseren Glauben verleugnet haben. Dann stellte er sich hin und hielt die Arme in die Luft, als hinge er am Kreuz, wobei sich sein Blick langsam und schmerzvoll nach oben richtete. Ganz großes Kino! Aber so sind Primordial eben. Die ganze Bandbreite der Emotionen wird da voll ausgeschlachtet, bei jedem einzelnen Song.
Der Soundtechniker hat es leider geschafft, den genialsten Moment des nun folgenden Songs zu ruinieren. Denn genau in der Sekunde, als die Vocals voller Aggressivität einsetzen sollten, war das Mikro ausgeschaltet. „Bravo!“ Wie kann so was nur passieren? Vielleicht sollte man den Beruf des Tontechnikers besser fördern, denn ich habe das Gefühl, es gibt viel zu wenige Gute davon. Die Wut stand Alan in diesem Moment dermaßen in’s Gesicht geschrieben, ihr könnt es euch kaum vorstellen!
Es folgten „The Coffin ships“ und „Gods to the godless“ und ein paar Fans in der ersten Reihe, die eine Irland-Fahne dabei hatten, grölten jede Textzeile mit. 
„Heathen tribes“ bildete den krönenden Abschluss des Gigs und alle Fans waren hoch zufrieden.

Asphyx machten ewig Soundcheck, fragten zwischendurch immer mal: „WOD –seid ihr bereit?“ Sehr „witzig“! Die einzigen, die nicht bereit waren, waren Asphyx. Aber gut, den niederländischen Legenden sei verziehen, da sie danach einen fantastischen Gig ablieferten und auch den Sound einigermaßen im Griff hatten. Sänger Martin war richtig gut drauf und lachte und scherzte viel. Kommentare wie: „Habt ihr 3 Tage lang nur gebechert? Und jetzt?  Keine Kraft mehr und keine Kohle mehr?“ waren da nur das harmloseste. Aber auch böse Seitenhiebe waren angesagt. O-Ton: „Es gibt Bands, die in der Szene nichts mehr zu suchen haben, außer nach hause zu fahren“. Ui. Aber ja, dem schließe ich mich an. 
Ein kurzer Stromausfall gab dem Gig noch einen zusätzlichen Erinnerungswert, denn Martin laberte einfach so lange weiter, bis der Strom wieder da war. Ich glaube, er ist der gesprächigste Frontmann aller niederländischen Bands überhaupt.
Nun war es ja so, dass eigentlich auch Possessed hätten spielen sollen, aber abgesagt haben. Martin erzählte dann, dass er mit Possessed telefoniert hat und hoffentlich bald alles wieder okay ist. Außerdem meinte er noch, uns mitteilen zu müssen, dass sein eigener Drummer sternhagelvoll ist. Auch stiftete er große Verwirrung mit der Frage, ob Coburg eigentlich im Osten oder im Westen Deutschlands liegt. Nachdem alle durcheinandergerufen hatten, löste er auf: es ist deutsch! Aha. Doch es gab auch ernste Momente. Den Song „Forgotten war“ kündigte er damit an, dass Deutschland ja eine lange Kriegsgeschichte hat, die nicht schön ist, aber dass er den folgenden Song allen im Krieg Gefallenen widmet, egal ob deutsch oder nicht. Alles in allem ein klasse Gig. 

Die Halle war zwar immer noch gut voll, aber trotzdem waren vor der letzten Band Gorefest viele gegangen. Im Gegenlicht kamen die Jungs dann auf die Bühne, so dass man nur ihre Schatten sah und legten los. Sie waren kurzfristig als Ersatz für Possessed angeheuert worden. Von „Ersatz“ kann man natürlich nicht wirklich sprechen. Aber zumindest stehen Gorefest dafür, dass sie in null komma zwei Sekunden die Massen zum Kochen bringen können. Die, die geblieben waren, moshten also noch’mal ordentlich. Für die Death-Fans gab’s noch’mal viele kleine böse Soli und abartiges Growling, und ein Fan im Publikum durfte sich sogar einen Song wünschen. So klang das Festival gediegen aus.

An der Organisation gab es nichts auszusetzen (wobei die Camper das vielleicht anders gesehen haben). Vielleicht hätte die Location noch ein wenig besser ausgeschildert sein können. Hätten wir kein Navi dabeigehabt, hätten wir uns bestimmt noch hoffnungslos verfahren. Und dass gleich 2 Headliner (Benediction hätten eigentlich auch noch spielen sollen) kurz vorher absagen, dafür kann der Veranstalter ja nicht wirklich was. Und dafür, dass auch am Donnerstag schon Bands gespielt hatten, gab es wirklich mehr als genügend Bands für’s Geld. Für Death- und Thrash-Fans war dieses Festival jedenfalls genau das Richtige.

Fotos der Bands:

Amagortis
Asphyx
Commander
Cripper
Dark Age
Dark Fortress
Desaster
Despondency
Endstille
Entombed
Entombed - off stage
Evocation
Gorefest
Mael Mórdha
Manos
Napalm Death
One man army...
Primordial
Sinister
Warhammer
Witchburner

 

 

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