Shining, Skitliv, Hellsaw 

( + Obscure Anachronism, Karg) 

Wien + Salzburg, 19./20. Dezember 2007

(Bericht: Twilightheart)

Wie verbringt man die Vorweihnachtszeit am blasphemischsten? Gleich mal in den Tourdaten geschaut... ah ja, Shining, Skitliv und Hellsaw touren! Passt!
So machte ich mich
am 19. Dezember 2007 per Bahn auf den Weg nach Wien. Was für eine wunderbare  Stadt. Der "Escape"-Club war auch direkt vom Westbahnhof aus gut zu Fuß zu erreichen. Als ich ankam, wurde ich allerdings direkt vom Türsteher aufgehalten... mit Kamera dürfe man hier nicht rein. „Ich stehe auf der Presseliste!“ – „Es gibt weder eine Presse- noch eine Gästeliste. Außerdem hat der lokale Veranstalter für die heutige Veranstaltung verboten, Kameras mit reinzunehmen. Niemand außer er darf fotografieren.“ ... Aha! ... Naja... „Das werden wir ja sehen“, dachte ich mir und habe direkt bei Shining’s Manager nachgefragt. Der war sich ziemlich sicher, dass er eine Gästeliste abgegeben hat und dass mein Name draufstand. Na, also. Dann hielt er dem lokalen Veranstalter noch eine Rede, dass es so etwas wie Foto-Verbot bei Shining-Gigs nicht gibt. Super, alles geklärt! Runter in den Club! 
Dort angekommen staunte ich nicht schlecht, dass es so winzig kleine Clubs überhaupt gibt. Ich dachte, das Titanic City in München sei der kleinste Club auf Erden, aber dort passen ja wenigstens noch 3 Musiker nebeneinander auf die Bühne. Aber in Wien würden gerade’mal 2 nebeneinander passen. Der Schlagzeuger wurde ganz hinten in die Ecke der Bühne gequetscht und davor müssten sich die Musiker theoretisch zu zweit hintereinander aufstellen. Ziemlich kurios. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie ein Mensch mit dem Bewegungsdrang von Niklas Kvarforth auf dieser Bühne klarkommen soll.

Nun ja, der Abend begann direkt ohne lokalen Support mit Skitliv. Für die, die den Bandnamen inzwischen immer noch nicht gehört haben sollten, dies ist die Band des Ex-Mayhem-Sängers Maniac. Und auch Kvarforth von Shining spielt dort mit. Eine von haus aus hochexplosive Mischung also. Der Stil ist schwer zu beschreiben. Im Web wird es oft als Black/Doom bezeichnet, aber das trifft es nicht annähernd. Maniac selbst bezeichnet es auch nicht wirklich als Black Metal, obwohl die Lyrics natürlich schon in die religiöse und zum Teil  blasphemische Richtung gehen.
Die Musiker kamen also auf die Bühne und schafften es tatsächlich, sich so auf der Bühne zu platzieren, dass jeder ein klein wenig Platz hatte, und dann legten sie mit „A valley below“ los. Maniac hatte einen Bass dabei, womit es also bei diesem Gig 2 Bässe gab (abwechselnd spielt er bei den Gigs auch Gitarre), denn eigentlich ist Spacebrain der Tieftöner der Band. Nun ja, wie man es sich beim Anblick der 2 Bässe bereits denken konnte, war die Musik von Skitliv eine sehr bizarre Angelegenheit. Experimentell, anders, schleppend und gleichzeitig mitreißend. Man kann es nicht beschreiben. Aber man muss dem ganzen zugestehen, dass diese Musik wirklich anders ist als alles bisher da gewesene. Weiter ging es mit „Hollow devotion“, ein nicht minder packendes Stück. Im übrigen stellte sich heraus, dass mit Kvarforths rechter Hand etwas nicht stimmte. Er konnte nicht wirklich spielen. Maniac entschuldigte sich dann auch bei allen dafür und gab sogar den Grund für die Verletzung an: Mister Kvarforth hatte am Vorabend gemeint, noch jemanden verprügeln zu müssen. Nun ja, die Konsequenzen hatte er nun also auch mit zu tragen. Maniac musste ihm später sogar auf der Bühne die Hand neu verbinden, weil sich der Verband gelockert hatte. Passend zur Verletzung hieß der nächste Song „Slow pain coming“. 

Man hätte einfach staunend zuhören wollen/können, wenn man während des Gigs nicht ständig aufpassen müsste, dass man nicht den Mikroständer von Maniac an den Kopf kriegt, den er gerne mal einfach in die Menge warf. Somit bekamen ihn nicht nur die Leute in der ersten Reihe (wo ich ja auch mit stand) vor den Latz, sondern einmal auch sein eigener Gitarrist Ingvar (der im übrigen nicht nur als Musiker glänzt, sondern auch durch einen völlig abgedrehten Gesichtsausdruck, wenn er sich der Musik hingibt). 
Also nichts für schwache Nerven. Und überhaupt machten die beiden, Maniac und Niklas, ihrem Ruf als Provokateure alle Ehre. So beleidigten sie mal eben gleich alle anwesenden ca. 200 Österreicher, indem Niklas sagte, sie wöllten ja immer alle so stolz sein, aber alles, was sie vervorgebracht hätten, wäre Falco und ein gewisser anderer Herr gewesen. Dann sang er den Refrain von Falco’s „Jeanny“ an (was allerdings super klang). Maniac legte sich währenddessen mit einem Fan aus dem Publikum an (da das in anderen Städten Berichten zufolge auch ständig passiert ist, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass es Teil der Show ist, vielleicht haben die beiden ja GG Allin zum Vorbild, wer weiß). Kvarforth stieg in den Streit mit dem Fan sofort mit ein, und dann lieferten sie sich wilde Drohgebärden ... der Fan solle doch auf die Bühne kommen, wenn er sich traut... und dann wurde er natürlich direkt als Feigling beschimpft, weil er nicht kam. Das übliche eben... Außerdem machten sich die beiden schon’mal für später warm und die erste Zigarette wurde auf Maniac’s Körper ausgedrückt.

Was nun rein die Musik betrifft, so kann man sich nicht beklagen. Da wurde teilweise mit den Bier-und Whiskey-Flaschen experimentiert und mit diesen die Saiten bedient. Auch spielte Maniac teilweise auf dem Boden kniend, seinen Bass in allen möglichen Posen und Stellungen spielend. Ganz bizarre Klänge wurden dabei zutage gefördert. Psychedelisch, abartig, aber auch fessend. Sogar Ingvar durfte kurz in's Mikro brüllen.
Ich glaube, dass das Set bei diesem Gig geändert wurde, weil Niklas nicht wirklich spielen konnte mit der verletzten Hand, denn es wurde am Schluss mal eben ein rockiges Stück gespielt, was leichter zu spielen war als die normalen Stücke. Gegen Ende wurde die Stimmung dann auch richtig gut und es gab satten Applaus, während man am Anfang eher skeptisch zugeschaut hatte.
Nachdem der Gig beendet war und alle außer Spacebrain die Bühne verlassen hatten, rief ein Fan ihm zu „Du bist ein guter Mann!“. Spacebrain bedankte sich artig auf deutsch (ja, er war mal Deutscher, der nach Norwegen ausgewandert war), und dann war mein erster Skitliv-Gig vorbei und ich war von der Musik begeistert.

Das erste mal Hellsaw live stand als nächstes an. Für die österreichische Black-Metal-Band war dies hier in Wien natürlich ein Heimspiel. Die Besucher waren patriotisch und sorgten von der ersten Sekunde an für Mega-Stimmung. Die Band begann mit „The inner revenge of nature”, “Omen” und “... me crying”. Und da das ganze irgendwo einen Touch von Naglfar hatte, ging es mir auch gut in’s Ohr und ich konnte mich damit identifizieren. Die Band hatte auch eine sehr grimme Aura und die Gitarrenwände waren gnadenlos, insofern waren die intensiven Reaktionen berechtigt. 
Sehr witzig waren natürlich die Breaks mit den kurzen Ansprachen in österreichischem Dialekt von Sänger Aries, es hat einfach immer diesen gewissen Charme, wenn nach so knallharten BM-Lyrics ein netter dialektischer Kommentar folgt; aber wahrscheinlich klang das nur für mich als Ausländer so, für die einheimischen Österreicher dürfte es logischerweise völlig normal gewesen sein. Man bängte in der ersten Reihe sogar Arm-in-Arm. Vielleicht genossen es die Zuschauer auch, zur Abwechslung eine Band vor sich zu haben, wo man sich tatsächlich einfach mal der Musik hingeben kann, ohne konstant aufpassen zu müssen, dass man nicht einen Mikroständer an den Kopf geworfen bekommt. Frontmann Aries hielt sich auch direkt vorne am Bühnenrand auf und growlte den Fans direkt in’s Gesicht, was diese mit entsprechender Mimik und Gestik honorierten. Weiter ging es mit „Silent landscape“, „Might and hate“, “The ember of your own“ und „In memory“. Der Sound in der Halle war übrigend durchgängig gut. Der Song „Execution“ wurde theatralisch mit „It’s time for your execution“ angekündigt und hier durfte spontan ein Fan aus der ersten Reihe den gesamten Refrain in’s Mikro brüllen, was dieser auch textsicher tat. Nachdem wir noch „Hate war victory“ serviert bekommen hatten, warf Aries das Mikro auf den Boden (dieses Verhalten hat wahrscheinlich von Shining abgefärbt) und es war klargestellt, dass die Österreicher mit ihren Black Metal Bands so langsam zu Konkurrenten werden.

Niklas Kvarforth kam mit einer irren Wut im Bauch auf die Bühne und eröffnete den Shining Gig damit, dass er erstmal die Box von der Bühne trat. Die netten Österreicher wuchteten sie dann wieder nach oben und es konnte weitergehen. Sehr interessant war auch seine Mode, die Hose (bzw. die Reste davon) waren an seinem Körper festgeklebt. Was man als erstes bemerkte, als die Show begann, war, dass seine Stimme wohl gelitten hat während des Tourens. Sie klang viel schwächer als sonst, auch rauer. Nichtsdestotrotz hörte man nach dem Gig etliche Fans seine stimmliche Performance loben, denn er macht die ganzen Geräusche (röcheln usw.) in den Songs voller Inbrunst genau so wie auf den Alben, was stimmlich wirklich eine Leistung ist. 
Trotz allem ist eine Shining-Show natürlich immer ein Erlebnis, selbst wenn Niklas gar nicht singen würde, wäre der Unterhaltungsfaktor unbezahlbar. Jemand, der mit Sicherheit für den lokalen Veranstalter arbeitete, filmte im übrigen die gesamte Show. Schade, dass nur 2 Clips davon im Internet zu finden sind. 
Natürlich zog Kvarforth beim Gig seine üblichen Spielchen ab. Er hat aber auch wirklich bei jedem Gig ein paar willige Frauen in der ersten Reihe stehen, die alles für ihn tun würden und sich so ziemlich alles von ihm gefallen lassen würden. Diesmal war es Katha, die ebenfalls aus Bayern angereits war. Vor allem sie durfte immer wieder an seinem Körper rumlecken. Dann schob er ihr die Hand in die Hose und in den Slip, man meinte, jetzt besorgt er’s ihr erstmal vor allen Leuten. Aber stattdessen schmierte er ihr die Hand dann quer über ihr Gesicht. Lecker. Tja, ... ein Shining Gig ist eben kein Kindergeburtstag! Auch die anderen Besucher waren mehr oder weniger seiner Willkühr ausgesetzt, man wusste nie, ob er den nächsten Kerl wohl umarmen oder wegstoßen würde. Ein Kerl mit blonden Rastas hatte es ihm besonders angetan, mit ihm schäkerte er die ganze Zeit. Der hinter ihm hatte nicht so viel Glück und bekam einen schockieren Spruch reingewürgt, den ich jetzt beim besten Willen nicht wiederholen will.

Katha an Niklas (und... das sieht nur so aus, als ob sie....!!)

Und ... oh oh... ein Besucher wagte es, sein Bierglas auf die Bühne zu werfen, welches so landete, dass der gesamte Bass von Phil A. Cirone mit Bier übergossen wurde, wodurch er natürlich erst'mal nicht mehr weiterspielen konnte, weil die Saiten klebten usw. Das war natürlich sofort ein Anlass für Niklas, diesem Typen den „Krieg“ zu erklären. Er forderte denjenigen auf, auf die Bühne zu kommen und sich der Sache zu stellen, was auch dieser natürlich erst'mal nicht tat. Gegen Gig-Ende sah man nur noch, wie Niklas Anweisung an den Sicherheitsmann gab, eben diesen Typen zu ihm hinter die Bühne zu bringen. Ob das dann auch wirklich geschehen ist, habe ich nicht mehr mitbekommen.
Maniac kam als Gastmusiker zum Song „Någonting är jävligt fel“ mit auf die Bühne und ich muß sagen, das klang wirklich verdammt gut, wie er den Song gesungen hat. Zwar hat er natürlich seinen eigenen Stil, aber dieser Song passt zu ihm wie die Faust auf’s Auge. Das ganze artete natürlich in eine Session zwischen Niklas und Maniac aus, die sich gegenseitig Zigaretten auf dem Körper ausdrückten, heftigst knutschten (gespielt, als reine Provokation natürlich) und auch sonst alle Aufmerksamkeit auf sich zogen durch ihr Zusammenwirken. Auch auf Katha’s Arm wurde später noch eine Zigarette ausgedrückt.
Die ganze Show war ansonsten unglaublich geil. Man kann sich dem einfach nicht entziehen. Wenn jemand so irre ist, wie kann man das ignorieren? Es wurde im übrigen ein neuer Drummer vorgestellt, der Dritte dieses Jahr (vielleicht nur als Tour-Drummer, keine Ahnung), auf jeden Fall durfte er gleich mal ein kurzes Solo trommeln und sich umjubeln lassen. 
Das Gig-Ende nahte, man zertrümmerte noch stilecht eine Whiskey-Flasche auf der Bühne und schon war es vorbei.

Am nächsten Tag in Salzburg hatte Claudia einen Interviewtermin mit Maniac für ein Skitliv-Interview. Ich redete während dessen backstage ein bisschen mit Skitliv-Bassist Spacebrain, praktischerweise ja auf deutsch. Schaut mal auf seiner Webseite vorbei, falls ihr euch für Design interessiert: www.spacebrain.no ! Nachdem ich mir noch meine ganzen Shining-Booklets von Niklas hatte signieren lassen. konnte ich auch nicht widerstehen, noch ein paar Fotos zu machen, wie die beiden backstage rumgealbert haben.

Spacebrain/Niklas:

Dann im "Cave"-Club, der übrigens auch nicht sonderlich gross ist, gab es zusätzlich zum Tourtross des gestrigen Tages noch 2 andere Bands als Support, nämlich „Karg“ und „Obscure Anachronism“. Zum Cave-Club in Salzburg muss man noch sagen, dass das Ambiente dort sehr kultig ist. Es ist eine Höhle im Berg mit Steinwänden. Hat was!

Karg“ aus Sankt Pongau in Österreich eröffneten den Abend. Sie spielen ambient BM, dessen Lyrics sich mit Depressionen und auch Selbstzerstörung befassen, somit passen sie natürlich hervorragend in’s Vorprogramm von Shining. Die Band gibt es erst seit 2006, was vielleicht auch erklärt, dass sie live einige Schwierigkeiten hatten, einen guten Sound hinzubekommen. Auch das Growling klang nicht allzu gut (als Entschuldigung lasse ich vielleicht eine Erkältung gelten). Mit Bass, 2 Gitarren, Schlagzeug und Sänger bot die Band also ein paar Songs dar, allerdings sehr wenige, man hatte das Gefühl, dass der Gig nach 15 Minuten bereits beendet war. 

Dafür spielten „Obscure Anachronism“ umso länger. Diese Band, ebenfalls aus Österreich, spielt auch Black Metal, allerdings sehr aggressiven. Sie waren auch die einzigen, die so etwas wie eine Bühnendeko hatten (Totenkopf und Kerzen), was in der kalten Höhle schon für ein wenig mehr Atmosphäre sorgte. Die Texte der Band befassen sich mit der Vernichtung der Menschheit. Im aller ersten Moment, als sie auf die Bühne kamen, erinnerten sie mich an „Nachtfalke“, da der Sänger ähnlich auf der Bühne agiert. Dieser Typ kann kreischen, da gefriert einem das Blut in den Adern. Und das ganze mit einer Ausdauer... Wahnsinn! Vor allem geht diese Art des hohen, intensiven Kreischens ja extrem auf die Stimmbänder, es verdient wirklich Hochachtung, dass er das so lange durchgehalten hat, ohne dass die Qualität litt. Bis zum allerletzten Song schrie er sich die Seele aus dem Leib und krallte mit den Fingern in die Luft oder unterstrich die Musik mit anderen Gesten. Zwar waren die Riffs häufig gleich, aber allein die Dramatik in den Vocals machte diesen Gig sehenswert. 

Und schon war es wieder an der Zeit für den nächsten Skitliv-Gig. Nachdem es am Anfang ein paar arge Soundprobleme gegeben hatte (mit den Monitoren stimmte etwas nicht), wurde dieses mal die übliche Setliste durchgespielt, nämlich „A valley below“, „Hollow devotion“, „Slow pain coming“, „Virestcit volnere virtus“, „Amfetamin“ und ein paar Extras. So haben sie zum Beispiel angefangen „Deathcrush“ zu spielen. (Und später am Abend, ich weiß nicht mehr, ob es bei Shining oder Skitliv war, haben sie angefangen „De mysteriis dom Sathanas“ anzuspielen. Kurz danach wurde abgebrochen und Maniac rief, wenn man Mayhem hören wolle, solle man gefälligst eine Mayhem-Platte anhören.) Das interessante war, dass viele im Publikum die Musik von Skitliv nachweislich total klasse fanden, aber die Musik eignet sich nun mal nicht zum headbängen, und so blieb leidenschaftliches Verhalten im Publikum natürlich aus. Maniac fasste dies falsch auf und meinte mitten im Gig „You bore the fucking shit out of me“, gefolgt von einem „We hate people“. Dann warf er (wie fast schon zu erwarten) den Mikroständer in’s Publikum. Auch begannen Niklas und Maniac diesmal schon beim Skitliv-Gig mit dem Rumgeknutsche und den ganzen anderen Spielchen. Neu war allerdings, dass man den Bass immer mal wieder einfach auf den Boden fallen liess (schade um das schöne Instrument), und dass Maniac leidenschaftlich Gitarre spielte, auch mit Flaschen wurde wieder gejammt und die bizarren Soundgebilde wurden bis zum äußersten getrieben. Am Ende des Gigs wurden die Instrumente auch gar nicht ausgesteckt, man verließ einfach die Bühne und ließ die letzten Töne der Instrumente 5 Minuten lang einfach weiterbrummen. Skitliv sind einfach Avantgarde. Muss man unbedingt mal live gesehen haben!

Auch Hellsaw gaben selbstverständlich wieder ihr bestes, schließlich spielten sie nach-wie-vor vor ihren Landsleuten und hatten einen Ruf zu verteidigen. Die Setliste war die selbe wie beim Gig am Vortag und das Konzept ging natürlich auch in Salzburg auf. Gemeinsam mit ihren Fans (man hätte ehrlich fast meinen können, dass ein Großteil der ca. 150 Anwesenden extra wegen Hellsaw gekommen waren) headbängte sich die Band die Halswirbel wund und es gab sogar schon Fans, die die Texte mitgrölen konnten. Hellsaw sind eine Band, die echte Live-Qualitäten haben. Klar mögen sie vom Stil her nicht allzu viel Bahnbrechendes vorweisen, aber live hauen sie einfach ungemein rein. Da geht die Stimmung sofort von null auf hundert. Diese Band sehen wir bestimmt in der Zukunft noch öfter auf diversen Festivals.

Finale! Shining betraten die Bühne und Niklas kam mit einem Klappmesser am Hosenbund (der wieder in Fetzen an den Körper geklebten Hose) auf die Bühne. Während bei den anderen Shining-Gigs, die ich gesehen habe, nur Tierblut aus der Flasche floss, sollte dieses mal wohl Menschenblut fließen. 
Links in der Ecke vor der Bühne stand nun die gesamte Münchner Fraktion, 5 oder 6 Leute aus München (weiter hinten standen noch einige mehr ... zu schade, dass der Gig in München gecancelt worden war, es wäre sicher voll geworden), davon 3 Leute Sheol-related. Doch nur Claudia und ich wagten uns direkt in die erste Reihe. Ich habe den anderen gesagt „Shining in der 2. Reihe...das kann ja JEDER! Die ERSTE Reihe ist das einzig Wahre!“ Denn nur dort setzt man sich der direkten Gefahr aus! ;-)
Doch zuerst muss man sagen, dass dieser Gig von der Songauswahl her grandios war. Es gab einige Variationen zum Vortag. Heute wurden wirklich alle meine Favoriten gespielt, durch alle Alben hinweg. An alle Songs kann ich mich zwar nicht erinnern, aber auf jeden Fall mit dabei waren: „Eradication of the condition“, „Låt oss ta allt från varandra“, „Svart industriell olycka“, „Uttligare ett steg närmare total jävla utfrysning“, „Längtar bort från mitt hjärta“, „Submit to selfdestruction“ und etliche mehr. Natürlich hat auch das Duett mit Maniac zu „Någonting är jävligt fel“ nicht gefehlt. Von der Intensität der Darbietung der Songs hat mir der Salzburg-Gig am besten gefallen. Hier kam der Schmerz wirklich rüber zu mir, einfach durch die Musik. Und dann fing Niklas an, sich tatsächlich die Arme aufzuschneiden. Bei einem Song hat er eine richtige Session gemacht, wo er sich im Sekundentakt die Arme aufgeschnitten hat. Oh man. Klar, für den Showeffekt ist es grandios, aber mir hat es in der Seele wehgetan, das zu sehen. Ich habe da KEINE Freude dran, zuzusehen, das wollte ich nur mal klarstellen. Andererseits ist Niklas Kvarforth eben so, ich kann mich seiner Aura leider nicht wirklich entziehen. Insofern war es auch faszinierend, mitzuerleben, dass er so etwas mit uns teilt. Später nahm er auch noch seinen eigenen Gürtel und schlug sich selbst damit. Es war in jedem Fall ein sehr intensiver Gig. Vor „Längtar bort från mitt hjärta“ sagte er allen in der ersten Reihe, sie sollen die Augen schliessen (und drückte sie jedem persönlich zu) und meinte, man solle sich an den schlimmsten Augenblick seines Lebens erinnern, und als Beispiel fügte er an „when your father fucked you up for the first time when you were 5 years old“. 

Naja, zwischen all der Intensität ließ er allerdings auch den Ungehaltenen raushängen. Fans beleidigen, provozieren und anspucken gehörte natürlich dazu. Ich war allerdings froh, dass er mich einfach in Ruhe gelassen hat, so konnte ich mich mal voll auf die Musik konzentrieren. Sehr witzig war der Moment, wo er sich mit einem gewissen Horst im Publikum gefetzt hatte und unbedingt dessen Namen wissen wollte. Der sagte auch bereitwillig, dass er „Horst“ heißt, aber den Namen kannte oder verstand Niklas vom Klang her nicht. So brauchte es 3 Versuche, bis er es hatte, und das nur, um daraufhin zu sagen: „Horst is a fucking idiot“. Ich glaube, Kommentare dazu erübrigen sich...
Während der Show stellte Niklas immer wieder den neuen, erst 19-jährigen Drummer vor, bedankte sich bei ihm und am Gig-Ende auch bei den anderen Bands, da die Tour ja nun langsam dem Ende zuging. Dass Gråby nun fest bei Shining ist und nicht mehr bei Ondskapt, wurde auch im Detail erzählt, denn er hätte nun eingesehen, dass Shining das wahre Böse ist. Auch entschuldigte sich Niklas für die schlechte Verfassung seiner Stimme und erzählte, dass diese nach der Tour einer medizinischen Behandlung unterzogen werden muss, versprach aber gleichzeitig „When we are here next time, we will REALLY fuck you up“. Einen Song widmete er auch der Band „Obscure Anachronism“, weil sich die Band(s) den Gig angeschaut hatten und begeistert waren von der Intensität, mit welcher der Sänger performt hatte. „It gave me shivers“ meinte Niklas dazu. 
Die Band war in Spiellaune, denn immer wieder wurde noch ein Song drangehangen. Den Besuchern war es recht. Gegen Ende des Gigs wurde das Gegröhle immer lauter, jedes mal, wenn noch ein Song angestimmt wurde, wurde die Stimmung besser. Und so klang dieser Abend allmählich aus. Für den furiosen Abgang sorgte natürlich Niklas Kvarforth, indem er (als Maniac am Ende wieder mit auf der Bühne stand) auf 3 Mädels zeigte, die sich erst später in die ersten Reihen vorgekämpft hatten, und sie (weil sie so schnucklig aussahen und gekleidet waren) alle 3 auf die Bühne beordert hat, um mit ihnen zusammen die Bühne zu verlassen. Filmreifer Abgang! 

 

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