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Wie
verbringt man die Vorweihnachtszeit am blasphemischsten? Gleich mal in
den Tourdaten geschaut... ah ja, Shining, Skitliv und Hellsaw touren!
Passt!
So machte ich mich
am 19.
Dezember 2007 per Bahn auf den Weg nach Wien. Was für
eine wunderbare Stadt. Der "Escape"-Club war auch direkt vom Westbahnhof
aus gut zu Fuß zu erreichen. Als ich ankam, wurde ich allerdings direkt
vom Türsteher aufgehalten... mit Kamera dürfe man hier nicht rein.
„Ich stehe auf der Presseliste!“ – „Es gibt weder eine Presse-
noch eine Gästeliste. Außerdem hat der lokale Veranstalter für die
heutige Veranstaltung verboten, Kameras mit reinzunehmen. Niemand außer
er darf fotografieren.“ ... Aha! ... Naja... „Das werden wir ja
sehen“, dachte ich mir und habe direkt bei Shining’s Manager
nachgefragt. Der war sich ziemlich sicher, dass er eine Gästeliste
abgegeben hat und dass mein Name draufstand. Na, also. Dann hielt er dem
lokalen Veranstalter noch eine Rede, dass es so etwas wie Foto-Verbot
bei Shining-Gigs nicht gibt. Super, alles geklärt! Runter in den
Club!
Dort angekommen staunte ich nicht schlecht, dass es so winzig kleine
Clubs überhaupt gibt. Ich dachte, das Titanic City in München sei der
kleinste Club auf Erden, aber dort passen ja wenigstens noch 3 Musiker
nebeneinander auf die Bühne. Aber in Wien würden gerade’mal 2
nebeneinander passen. Der Schlagzeuger wurde ganz hinten in die Ecke der
Bühne gequetscht und davor müssten sich die Musiker theoretisch zu
zweit hintereinander aufstellen. Ziemlich kurios. Ich konnte mir überhaupt
nicht vorstellen, wie ein Mensch mit dem Bewegungsdrang von Niklas
Kvarforth auf dieser Bühne klarkommen soll.

Nun ja,
der Abend begann direkt ohne lokalen Support mit Skitliv. Für
die, die den Bandnamen inzwischen immer noch nicht gehört haben
sollten, dies ist die Band des Ex-Mayhem-Sängers Maniac. Und auch
Kvarforth von Shining spielt dort mit. Eine von haus aus hochexplosive
Mischung also. Der Stil ist schwer zu beschreiben. Im Web wird es oft
als Black/Doom bezeichnet, aber das trifft es nicht annähernd. Maniac
selbst bezeichnet es auch nicht wirklich als Black Metal, obwohl die
Lyrics natürlich schon in die religiöse und zum Teil
blasphemische Richtung gehen.
Die Musiker kamen also auf die Bühne und schafften es tatsächlich,
sich so auf der Bühne zu platzieren, dass jeder ein klein wenig Platz
hatte, und dann legten sie mit „A valley below“ los. Maniac hatte
einen Bass dabei, womit es also bei diesem Gig 2 Bässe gab (abwechselnd
spielt er bei den Gigs auch Gitarre), denn eigentlich ist Spacebrain der
Tieftöner der Band. Nun ja, wie man es sich beim Anblick der 2 Bässe
bereits denken konnte, war die Musik von Skitliv eine sehr bizarre
Angelegenheit. Experimentell, anders, schleppend und gleichzeitig mitreißend.
Man kann es nicht beschreiben. Aber man muss dem ganzen zugestehen, dass
diese Musik wirklich anders ist als alles bisher da gewesene. Weiter
ging es mit „Hollow devotion“, ein nicht minder packendes Stück. Im
übrigen stellte sich heraus, dass mit Kvarforths rechter Hand etwas
nicht stimmte. Er konnte nicht wirklich spielen. Maniac entschuldigte
sich dann auch bei allen dafür und gab sogar den Grund für die
Verletzung an: Mister Kvarforth hatte am Vorabend gemeint, noch jemanden
verprügeln zu müssen. Nun ja, die Konsequenzen hatte er nun also auch
mit zu tragen. Maniac musste ihm später sogar auf der Bühne die Hand
neu verbinden, weil sich der Verband gelockert hatte. Passend zur
Verletzung hieß der nächste Song „Slow pain coming“.

Man hätte
einfach staunend zuhören wollen/können, wenn man während des Gigs
nicht ständig aufpassen müsste, dass man nicht den Mikroständer von
Maniac an den Kopf kriegt, den er gerne mal einfach in die Menge warf.
Somit bekamen ihn nicht nur die Leute in der ersten Reihe (wo ich ja
auch mit stand) vor den Latz, sondern einmal auch sein eigener Gitarrist
Ingvar (der im übrigen nicht nur als Musiker glänzt, sondern auch
durch einen völlig abgedrehten Gesichtsausdruck, wenn er sich der Musik
hingibt).
Also nichts für schwache Nerven. Und überhaupt machten die beiden,
Maniac und Niklas, ihrem Ruf als Provokateure alle Ehre. So beleidigten
sie mal eben gleich alle anwesenden ca. 200 Österreicher, indem Niklas
sagte, sie wöllten ja immer alle so stolz sein, aber alles, was sie
vervorgebracht hätten, wäre Falco und ein gewisser anderer Herr
gewesen. Dann sang er den Refrain von Falco’s „Jeanny“ an (was
allerdings super klang). Maniac legte sich währenddessen mit einem Fan
aus dem Publikum an (da das in anderen Städten Berichten zufolge auch
ständig passiert ist, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass es
Teil der Show ist, vielleicht haben die beiden ja GG Allin zum Vorbild,
wer weiß). Kvarforth stieg in den Streit mit dem Fan sofort mit ein,
und dann lieferten sie sich wilde Drohgebärden ... der Fan solle doch
auf die Bühne kommen, wenn er sich traut... und dann wurde er natürlich
direkt als Feigling beschimpft, weil er nicht kam. Das übliche eben...
Außerdem machten sich die beiden schon’mal für später warm und die
erste Zigarette wurde auf Maniac’s Körper ausgedrückt.

Was nun
rein die Musik betrifft, so kann man sich nicht beklagen. Da wurde
teilweise mit den Bier-und Whiskey-Flaschen experimentiert und mit
diesen die Saiten bedient. Auch spielte Maniac teilweise auf dem Boden
kniend, seinen Bass in allen möglichen Posen und Stellungen spielend.
Ganz bizarre Klänge wurden dabei zutage gefördert. Psychedelisch,
abartig, aber auch fessend. Sogar Ingvar durfte kurz in's Mikro
brüllen.
Ich glaube, dass das
Set bei diesem Gig geändert wurde, weil Niklas nicht wirklich spielen
konnte mit der verletzten Hand, denn es wurde am Schluss mal eben ein
rockiges Stück gespielt, was leichter zu spielen war als die normalen
Stücke. Gegen Ende wurde die Stimmung dann auch richtig gut und es gab
satten Applaus, während man am Anfang eher skeptisch zugeschaut hatte.
Nachdem der Gig beendet war und alle außer Spacebrain die Bühne
verlassen hatten, rief ein Fan ihm zu „Du bist ein guter Mann!“.
Spacebrain bedankte sich artig auf deutsch (ja, er war mal Deutscher,
der nach Norwegen ausgewandert war), und dann war mein erster
Skitliv-Gig vorbei und ich war von der Musik begeistert.

Das
erste mal Hellsaw live stand als nächstes an. Für die österreichische
Black-Metal-Band war dies hier in Wien natürlich ein Heimspiel. Die
Besucher waren patriotisch und sorgten von der ersten Sekunde an für
Mega-Stimmung. Die Band begann mit „The inner revenge of nature”,
“Omen” und “... me crying”. Und da das ganze irgendwo einen
Touch von Naglfar hatte, ging es mir auch gut in’s Ohr und ich konnte
mich damit identifizieren. Die Band hatte auch eine sehr grimme Aura und
die Gitarrenwände waren gnadenlos, insofern waren die intensiven
Reaktionen berechtigt.
Sehr witzig waren natürlich die Breaks mit den kurzen Ansprachen in österreichischem
Dialekt von Sänger Aries, es hat einfach immer diesen gewissen Charme,
wenn nach so knallharten BM-Lyrics ein netter dialektischer Kommentar
folgt; aber wahrscheinlich klang das nur für mich als Ausländer so, für
die einheimischen Österreicher dürfte es logischerweise völlig normal
gewesen sein. Man bängte in der ersten Reihe sogar Arm-in-Arm.
Vielleicht genossen es die Zuschauer auch, zur Abwechslung eine Band vor
sich zu haben, wo man sich tatsächlich einfach mal der Musik hingeben
kann, ohne konstant aufpassen zu müssen, dass man nicht einen Mikroständer
an den Kopf geworfen bekommt. Frontmann Aries hielt sich auch direkt
vorne am Bühnenrand auf und growlte den Fans direkt in’s Gesicht, was
diese mit entsprechender Mimik und Gestik honorierten. Weiter
ging es mit „Silent landscape“, „Might and hate“, “The ember
of your own“ und „In memory“. Der Sound in der Halle war übrigend
durchgängig gut. Der Song „Execution“ wurde theatralisch mit „It’s
time for your execution“ angekündigt und hier durfte spontan ein Fan
aus der ersten Reihe den gesamten Refrain in’s Mikro brüllen, was
dieser auch textsicher tat. Nachdem wir noch „Hate war victory“
serviert bekommen hatten, warf Aries das Mikro auf den Boden (dieses
Verhalten hat wahrscheinlich von Shining abgefärbt) und es war
klargestellt, dass die Österreicher mit ihren Black Metal Bands so
langsam zu Konkurrenten werden.

Niklas
Kvarforth kam mit einer irren Wut im Bauch auf die Bühne und eröffnete
den Shining Gig damit, dass er erstmal die Box von der Bühne
trat. Die netten Österreicher wuchteten sie dann wieder nach oben und
es konnte weitergehen. Sehr interessant war auch seine Mode, die Hose
(bzw. die Reste davon) waren an seinem Körper festgeklebt. Was man als
erstes bemerkte, als die Show begann, war, dass seine Stimme wohl
gelitten hat während des Tourens. Sie klang viel schwächer als sonst,
auch rauer. Nichtsdestotrotz hörte man nach dem Gig etliche Fans seine
stimmliche Performance loben, denn er macht die ganzen Geräusche
(röcheln usw.) in den Songs voller Inbrunst genau so wie auf den Alben,
was stimmlich wirklich eine Leistung ist.
Trotz allem ist eine Shining-Show natürlich immer ein Erlebnis, selbst
wenn Niklas gar nicht singen würde, wäre der Unterhaltungsfaktor
unbezahlbar. Jemand, der mit Sicherheit für den lokalen Veranstalter
arbeitete, filmte im übrigen die gesamte Show. Schade, dass nur 2 Clips
davon im Internet zu finden sind.
Natürlich zog Kvarforth beim Gig
seine üblichen Spielchen ab. Er
hat aber auch wirklich bei jedem Gig ein paar willige Frauen in der
ersten Reihe stehen, die alles für ihn tun würden und sich so ziemlich
alles von ihm gefallen lassen würden. Diesmal war es Katha, die
ebenfalls aus Bayern angereits war. Vor allem sie durfte immer wieder an
seinem Körper rumlecken. Dann schob er ihr die Hand in die Hose und in
den Slip, man meinte, jetzt besorgt er’s ihr erstmal vor allen Leuten.
Aber stattdessen schmierte er ihr die Hand dann quer über ihr Gesicht.
Lecker. Tja, ... ein Shining Gig ist eben kein Kindergeburtstag! Auch die anderen
Besucher waren mehr oder weniger seiner Willkühr ausgesetzt, man wusste
nie, ob er den nächsten Kerl wohl umarmen oder wegstoßen würde. Ein
Kerl mit blonden Rastas hatte es ihm besonders angetan, mit ihm schäkerte
er die ganze Zeit. Der hinter ihm hatte nicht so viel Glück und bekam
einen schockieren Spruch reingewürgt, den ich jetzt beim besten Willen
nicht wiederholen will.
Katha
an Niklas (und... das sieht nur so aus, als ob sie....!!)

Und ...
oh oh... ein Besucher wagte es, sein Bierglas auf die Bühne zu werfen,
welches so landete, dass der gesamte Bass von Phil A. Cirone mit Bier übergossen
wurde, wodurch er natürlich erst'mal nicht mehr weiterspielen konnte,
weil die Saiten klebten usw. Das war natürlich sofort ein Anlass für
Niklas, diesem Typen den „Krieg“ zu erklären. Er forderte
denjenigen auf, auf die Bühne zu kommen und sich der Sache zu stellen,
was auch dieser natürlich erst'mal nicht tat. Gegen Gig-Ende sah man
nur noch, wie Niklas Anweisung an den Sicherheitsmann gab, eben diesen
Typen zu ihm hinter die Bühne zu bringen. Ob das dann auch wirklich
geschehen ist, habe ich nicht mehr mitbekommen.
Maniac kam als Gastmusiker zum Song „Någonting
är jävligt fel“ mit auf die Bühne und ich muß sagen, das klang
wirklich verdammt gut, wie er den Song gesungen hat. Zwar hat er natürlich
seinen eigenen Stil, aber dieser Song passt zu ihm wie die Faust auf’s
Auge. Das ganze artete natürlich in eine Session zwischen Niklas und
Maniac aus, die sich gegenseitig Zigaretten auf dem Körper ausdrückten,
heftigst knutschten (gespielt, als reine Provokation natürlich) und
auch sonst alle Aufmerksamkeit auf sich zogen durch ihr Zusammenwirken.
Auch auf Katha’s Arm wurde später noch eine Zigarette ausgedrückt.
Die
ganze Show war ansonsten unglaublich geil. Man kann sich dem einfach
nicht entziehen. Wenn jemand so irre ist, wie kann man das ignorieren?
Es wurde im übrigen ein neuer Drummer vorgestellt, der Dritte dieses
Jahr (vielleicht nur als Tour-Drummer, keine Ahnung), auf jeden Fall
durfte er gleich mal ein kurzes Solo trommeln und sich umjubeln
lassen.
Das Gig-Ende nahte, man zertrümmerte noch stilecht eine Whiskey-Flasche
auf der Bühne und schon war es vorbei.

Am
nächsten Tag in Salzburg hatte Claudia einen Interviewtermin mit Maniac
für ein Skitliv-Interview. Ich redete während dessen backstage ein
bisschen mit Skitliv-Bassist Spacebrain, praktischerweise ja auf deutsch. Schaut mal auf
seiner Webseite vorbei, falls ihr euch für Design interessiert: www.spacebrain.no
! Nachdem ich mir noch meine ganzen Shining-Booklets von Niklas hatte
signieren lassen. konnte ich auch nicht widerstehen, noch ein paar Fotos zu machen,
wie die beiden backstage rumgealbert haben.
Spacebrain/Niklas:

Dann
im "Cave"-Club, der übrigens auch nicht sonderlich gross ist,
gab es zusätzlich zum Tourtross des gestrigen Tages noch 2 andere Bands
als Support, nämlich „Karg“ und „Obscure Anachronism“.
Zum Cave-Club in Salzburg muss man noch sagen, dass das Ambiente dort
sehr kultig ist. Es ist eine Höhle im Berg mit Steinwänden. Hat was!
„Karg“
aus Sankt Pongau in Österreich eröffneten den Abend. Sie spielen
ambient BM, dessen Lyrics sich mit Depressionen und auch Selbstzerstörung
befassen, somit passen sie natürlich hervorragend in’s Vorprogramm
von Shining. Die Band gibt es erst seit 2006, was vielleicht auch erklärt,
dass sie live einige Schwierigkeiten hatten, einen guten Sound
hinzubekommen. Auch das Growling klang nicht allzu gut (als
Entschuldigung lasse ich vielleicht eine Erkältung gelten). Mit Bass, 2
Gitarren, Schlagzeug und Sänger bot die Band also ein paar Songs dar,
allerdings sehr wenige, man hatte das Gefühl, dass der Gig nach 15
Minuten bereits beendet war.

Dafür
spielten „Obscure Anachronism“ umso länger. Diese Band,
ebenfalls aus Österreich, spielt auch Black Metal, allerdings sehr
aggressiven. Sie waren auch die einzigen, die so etwas wie eine Bühnendeko
hatten (Totenkopf und Kerzen), was in der kalten Höhle schon für ein
wenig mehr Atmosphäre sorgte. Die Texte der Band befassen sich mit der
Vernichtung der Menschheit. Im aller ersten Moment, als sie auf die Bühne
kamen, erinnerten sie mich an „Nachtfalke“, da der Sänger ähnlich
auf der Bühne agiert. Dieser Typ kann kreischen, da gefriert einem das
Blut in den Adern. Und das ganze mit einer Ausdauer... Wahnsinn! Vor
allem geht diese Art des hohen, intensiven Kreischens ja extrem auf die
Stimmbänder, es verdient wirklich Hochachtung, dass er das so lange
durchgehalten hat, ohne dass die Qualität litt. Bis zum allerletzten
Song schrie er sich die Seele aus dem Leib und krallte mit den Fingern
in die Luft oder unterstrich die Musik mit anderen Gesten. Zwar waren
die Riffs häufig gleich, aber allein die Dramatik in den Vocals machte
diesen Gig sehenswert.

Und
schon war es wieder an der Zeit für den nächsten Skitliv-Gig.
Nachdem es am Anfang ein paar arge Soundprobleme gegeben hatte (mit den
Monitoren stimmte etwas nicht), wurde dieses mal die übliche Setliste
durchgespielt, nämlich „A valley below“, „Hollow devotion“, „Slow
pain coming“, „Virestcit volnere virtus“, „Amfetamin“ und ein
paar Extras. So haben sie zum Beispiel angefangen „Deathcrush“ zu
spielen. (Und später am Abend, ich weiß nicht mehr, ob es bei Shining
oder Skitliv war, haben sie angefangen „De mysteriis dom Sathanas“
anzuspielen. Kurz danach wurde abgebrochen und Maniac rief, wenn man
Mayhem hören wolle, solle man gefälligst eine Mayhem-Platte anhören.)
Das interessante war, dass viele im Publikum die Musik von Skitliv
nachweislich total klasse fanden, aber die Musik eignet sich nun mal
nicht zum headbängen, und so blieb leidenschaftliches Verhalten im
Publikum natürlich aus. Maniac fasste dies falsch auf und meinte mitten
im Gig „You bore the fucking shit out of me“, gefolgt von einem „We
hate people“. Dann warf er (wie fast schon zu erwarten) den Mikroständer
in’s Publikum. Auch begannen Niklas und Maniac diesmal schon beim
Skitliv-Gig mit dem Rumgeknutsche und den ganzen anderen Spielchen. Neu
war allerdings, dass man den Bass immer mal wieder einfach auf den Boden
fallen liess (schade um das schöne Instrument), und dass Maniac
leidenschaftlich Gitarre spielte, auch mit Flaschen wurde wieder gejammt
und die bizarren Soundgebilde wurden bis zum äußersten getrieben. Am
Ende des Gigs wurden die Instrumente auch gar nicht ausgesteckt, man
verließ einfach die Bühne und ließ die letzten Töne der Instrumente
5 Minuten lang einfach weiterbrummen. Skitliv sind einfach Avantgarde.
Muss man unbedingt mal live gesehen haben!

Auch
Hellsaw gaben selbstverständlich wieder ihr bestes, schließlich
spielten sie nach-wie-vor vor ihren Landsleuten und hatten einen Ruf zu
verteidigen. Die Setliste war die selbe wie beim Gig am Vortag und das
Konzept ging natürlich auch in Salzburg auf. Gemeinsam mit ihren Fans
(man hätte ehrlich fast meinen können, dass ein Großteil der ca. 150
Anwesenden extra wegen Hellsaw gekommen waren) headbängte sich die Band
die Halswirbel wund und es gab sogar schon Fans, die die Texte mitgrölen
konnten. Hellsaw sind eine Band, die echte Live-Qualitäten haben. Klar
mögen sie vom Stil her nicht allzu viel Bahnbrechendes vorweisen, aber
live hauen sie einfach ungemein rein. Da geht die Stimmung sofort von
null auf hundert. Diese Band sehen wir bestimmt in der Zukunft noch öfter
auf diversen Festivals.

Finale!
Shining betraten die Bühne und Niklas kam mit einem Klappmesser
am Hosenbund (der wieder in Fetzen an den Körper geklebten Hose) auf
die Bühne. Während bei den anderen Shining-Gigs, die ich gesehen habe,
nur Tierblut aus der Flasche floss, sollte dieses mal wohl Menschenblut
fließen.
Links in der Ecke vor der Bühne stand nun die gesamte Münchner
Fraktion, 5 oder 6 Leute aus München (weiter hinten standen noch einige
mehr ... zu schade, dass der Gig in München gecancelt worden war, es wäre
sicher voll geworden), davon 3 Leute Sheol-related. Doch nur Claudia und
ich wagten uns direkt in die erste Reihe. Ich habe den anderen gesagt
„Shining in der 2. Reihe...das kann ja JEDER! Die ERSTE Reihe ist das
einzig Wahre!“ Denn nur dort setzt man sich der direkten Gefahr aus!
;-)
Doch
zuerst muss man sagen, dass dieser Gig von der Songauswahl her grandios
war. Es gab einige Variationen zum Vortag. Heute wurden wirklich alle
meine Favoriten gespielt, durch alle Alben hinweg. An alle Songs kann
ich mich zwar nicht erinnern, aber auf jeden Fall mit dabei waren: „Eradication
of the condition“, „Låt oss ta allt från varandra“, „Svart
industriell olycka“, „Uttligare ett steg närmare total jävla
utfrysning“, „Längtar bort från mitt hjärta“, „Submit to
selfdestruction“ und etliche mehr. Natürlich hat auch das Duett mit
Maniac zu „Någonting
är jävligt fel“ nicht gefehlt. Von der Intensität der Darbietung
der Songs hat mir der Salzburg-Gig am besten gefallen. Hier kam der
Schmerz wirklich rüber zu mir, einfach durch die Musik. Und dann fing
Niklas an, sich tatsächlich die Arme aufzuschneiden. Bei einem Song hat
er eine richtige Session gemacht, wo er sich im Sekundentakt die Arme
aufgeschnitten hat. Oh man. Klar, für den Showeffekt ist es grandios,
aber mir hat es in der Seele wehgetan, das zu sehen. Ich habe da KEINE
Freude dran, zuzusehen, das wollte ich nur mal klarstellen. Andererseits
ist Niklas Kvarforth eben so, ich kann mich seiner Aura leider nicht
wirklich entziehen. Insofern war es auch faszinierend, mitzuerleben,
dass er so etwas mit uns teilt. Später nahm er auch noch seinen eigenen
Gürtel und schlug sich selbst damit. Es war in jedem Fall ein sehr
intensiver Gig. Vor „Längtar bort från mitt hjärta“ sagte er
allen in der ersten Reihe, sie sollen die Augen schliessen (und drückte
sie jedem persönlich zu) und meinte, man solle sich an den schlimmsten
Augenblick seines Lebens erinnern, und als Beispiel fügte er an „when
your father fucked you up for the first time when you were 5 years
old“.

Naja,
zwischen all der Intensität ließ er allerdings auch den Ungehaltenen
raushängen. Fans beleidigen, provozieren und anspucken gehörte natürlich
dazu. Ich war allerdings froh, dass er mich einfach in Ruhe gelassen
hat, so konnte ich mich mal voll auf die Musik konzentrieren. Sehr
witzig war der Moment, wo er sich mit einem gewissen Horst im Publikum
gefetzt hatte und unbedingt dessen Namen wissen wollte. Der sagte auch
bereitwillig, dass er „Horst“ heißt, aber den Namen kannte oder
verstand Niklas vom Klang her nicht. So brauchte es 3 Versuche, bis er
es hatte, und das nur, um daraufhin zu sagen: „Horst is a fucking
idiot“. Ich glaube, Kommentare dazu erübrigen sich...
Während
der Show stellte Niklas immer wieder den neuen, erst 19-jährigen
Drummer vor, bedankte sich bei ihm und am Gig-Ende auch bei den anderen
Bands, da die Tour ja nun langsam dem Ende zuging. Dass Gråby nun fest
bei Shining ist und nicht mehr bei Ondskapt, wurde auch im Detail erzählt,
denn er hätte nun eingesehen, dass Shining das wahre Böse ist. Auch
entschuldigte sich Niklas für die schlechte Verfassung seiner Stimme
und erzählte, dass diese nach der Tour einer medizinischen Behandlung
unterzogen werden muss, versprach aber gleichzeitig „When we are here
next time, we will REALLY fuck you up“. Einen Song widmete er auch der
Band „Obscure Anachronism“, weil sich die Band(s) den Gig angeschaut
hatten und begeistert waren von der Intensität, mit welcher der Sänger
performt hatte. „It gave me shivers“ meinte Niklas dazu.
Die
Band war in Spiellaune, denn immer wieder wurde noch ein Song
drangehangen. Den Besuchern war es recht. Gegen Ende des Gigs wurde das
Gegröhle immer lauter, jedes mal, wenn noch ein Song angestimmt wurde,
wurde die Stimmung besser. Und so klang dieser Abend allmählich aus. Für
den furiosen Abgang sorgte natürlich Niklas Kvarforth, indem er (als
Maniac am Ende wieder mit auf der Bühne stand) auf 3 Mädels zeigte,
die sich erst später in die ersten Reihen vorgekämpft hatten, und sie
(weil sie so schnucklig aussahen und gekleidet waren) alle 3 auf die Bühne
beordert hat, um mit ihnen zusammen die Bühne zu verlassen. Filmreifer
Abgang!

Fotos
von den Bands gibt's in den "Concert photos"! |